
Geschrieben von Amelie im Alter von 13 Jahren; Fotos und Aufbauten gestaltet von Amelie und Marisa.
Beschreibung der Pferde siehe Eine Geschichte von Zora
Die Pferde haben zwar die gleichen Charakter und Namen, auch die Verhältnisse, haben aber sonst nichts miteinander zu tun, zum Beispiel nicht die gleichen Wohnorte
Kapitel 1: So läuft bei mir der Samstagmorgen ab… 🤨
Ich starre auf den Wecker. 7:42. Ich könnte noch über 2 Stunden schlafen, falls ich noch einmal einschlafen würde. Aber es hilft alles nichts, ich bin und bleibe wach. Butterfly, meine Mom, ist schon in der Arbeit und meine Geschwister schlafen sicher noch. Ich seufze und schäle mich aus dem Bett. Auf dem Schreibtisch liegt mein Tagebuch, das ich mir nehme und mich wieder aufs Bett pflanze. Oh, ich brauche noch einen Stift… Also nochmal raus aus der Decke und zum Schreibtisch. Die Morgensonne spiegelt sich in der glatten Oberfläche und ich kneife geblendet ein Auge zu. Einen Gelstift holen und ab ins Bett, Check. Ich schlage mein Tagebuch auf und setze den Gelstift an.

Samstag, 23.11.2024 um ca. 7:50
Ich bin heute schon voll früh aufgewacht, und noch toooooootal müde (x_x). Mom ist schon in der Arbeit und wahrscheinlich schlafen meine Geschwister noch. Bro, mir ist so langweilig. Ich schaue wahrscheinlich dann um 10:00 die Mangaka-Doku an, vielleicht ist die ja spannend. Aber ich sage nur, SKANDAL!!!!! Heute kommt Moms bescheuerter Freund Blitz, der ist der totale Schleimer. Igitt, wie der immer kommt: och, was willst du denn zum Geburtstag? Von mir kriegst du alles… Ich sage da nur, IGITT!!! Und er übernachtet auch schon manchmal bei uns!! 😱Aaaaaaber; heute gehts auf die Eislaufbahn :> Oha ich bin soooo happy!! Naja, eigentlich freue ich mich ÜBERHAUPT NICHT auf die Eislaufbahn, DEEEEEEEEEEENN…
BLITZ IST DABEI T-T!!!!! So geht das doch nicht! Sorry, ich muss jetzt aufhören, mein Huf tut weh >-<
ByeBye <3
Mittlerweile ist es schon 8:17 und ich würde am liebsten einfach liegen bleiben. Erstmal muss ich mich anziehen, weil wenn ich jetzt nochmal ins Bett gehe fange ich nur an zu lesen und dann komm ich gar nicht mehr raus. Also, ab ins Bad. Wir haben 3 verschiedene Bäder; eins für meine Mom, eins für Nautes und eins für uns Stutfohlen. Ich nehme mir aus meinem Zimmer einen Hoodie und schwarze Leggings mit. Im Stutenbad steht schon Zora und starrt mich entsetzt an. „Ähm, das nächste Mal bitte anklopfen?!“ Ich nicke. „Sorry…“ Zora ist die unumstrittene Chefin des Stutenbads, zu der sie sich selbst ernannt hat. Sie trägt Hotpants (bei dem Wetter draussen????? Die Sonne ist schon wieder weg und jetzt schneit es endlich) und einen Hoodie. Naja, Zora hat schon immer mehr auf Mode und Styling als auf ihre Gesundheit geachtet. Also alles normal. „Wing schläft noch, falls du fragst. Ich hab nachgeschaut.“ Zora spuckt die Zahnpasta ins Waschbecken. „Jetzt wohnen wir seit 2 Jahren hier und sie ist in den Ferien, am Wochenende oder Feiertagen noch nie vor 12:00 aus dem Bett gekommen…“ „2 Jahre werden es schon?“ Ich nehme die Bürste und fahre mir über die Mähne. „For real?“ Zora nickt und spült sich den Mund aus. Erstaunt lasse ich die Mähnenbürste sinken. Seit 2 Jahren wohnen wir in unserem Penthouse über den normalen Wohnungen. Ich hätte ja lieber eine normale Wohnung gehabt, aber ich habe hier ja nichts zu sagen. Traurig, aber wahr. Zora stößt mich an. „Hast du mir überhaupt zugehört?“ „Ähm ne, sorry…“ Zora wiederholt was sie eben gesagt hat: „Du willst echt diesen Waschlappen von Hoodie anziehen und dazu die alten Leggings??! Ich dachte, Mom wäre mit dir shoppen gegangen!“ Ja, das war sie auch, aber ich ziehe am liebsten Normalo-Klamotten an. Keine Designersachen wie Zoras Hotpants von Prada. Waren die überhaupt von Prada? Aber egal, mich interessiert das nicht. Der Hoodie ist ebenfalls von einer teuren Marke, allerdings weiss ich auch da nicht von welcher. Aber eeegal, wen interessiert das? Ich ziehe mir das T-Shirt aus und sprühe mir Deo unter die Achseln. Zora sieht mich an. „Du trägst immer noch den alten BH? Mom hatte dir doch den von Prada gekauft…“ Ich nicke. „Ja, schon klar, aber ich mag meine alten Sachen.“ Zora seufzt und verlässt das Bad. Ich schlüpfe in die Leggings und gehe Zora hinterher. Leise ziehe ich die Tür hinter mir zu und laufe Richtung Küche. Dort steht Zora an der Kaffeemaschine und scrollt auf ihrem Handy herum. Passend dazu vibriert mein Handy und ich zupfe es aus der Hoodietasche. Aha, Feli hat mir geschrieben!
Feli☮️BFF
hi hast du heute zeit? Um 14 uhr auf der eislaufbahn?
Linda
klaro mom wollte sowieso mit blitz und uns fohlen hin. eigl erst um 15 uhr aber ich komme halt schon früher. bb🤗
Feli☮️BFF
oki freu mich
Zora sieht mich an und fragt: „Schreibst du schon wieder mit deiner komischen BFF Feli?“ Ich wiege den Kopf hin und her. „Erstens; ja, ich chatte mit ihr, wir treffen uns an der Eislaufbahn. Zweitens; nein, Feli ist nicht komisch. Und ich mach mir jetzt einen Kaffee.“ Damit beende ich das Gespräch und gehe zur Kaffeemaschine. Ich wähle einen Crema und sehe zu wie erst der Kaffee, danach der Schaum in die Tasse läuft. Zora steht auf. „Linda?“ fängt sie an. „Bist du so lieb und schaust nach der Post?“ Sie schiebt meine Tasse neben die Kaffeemaschine und stellt eine Espresso-Tasse darunter. Ich seufze, aber mir bleibt wohl nichts anders übrig. „Okay, ich hole die Post…“ Also verlasse ich die Küche und laufe durch den großen Flur. Neben der Eingangstür ist eine kleine Stahltür in die Wand eingebaut. Ich halte meine Magnetkarte gegen den Scanner und es piepst dreimal. Danach ziehe ich die Tür auf und nehme einen Stapel Briefumschläge und einige Zeitschriften heraus. Ich drücke die Tür wieder zu und das Schloss rastet ein. Die Magnetkarte stecke ich mir wieder in die Hoodietasche. Mit dem Stapel Papierzeugs laufe ich zurück in die Küche. Zora wartet, bis ich ihn abgelegt habe, dann sortiert sie die Briefe. „Rechnungen, Werbung, Einladungen, private Briefe…“ Ich sehe ihr ganz kurz zu, aber dann gehe ich hinter die Theke und nehme mir meine Tasse. Ich platziere sie neben Zoras, und besetze auch den Platz neben ihr. Meine Abos an Zeitschriften legt Zora unachtsam zur Seite und ich schnappe mir gleich die oberste. Sie ist voller Tierbilder und ich stelle mir vor, wie ich eine Katze an einem gemütlichen Kamin streichele. Gemütlich gibt es bei uns nicht. Alles ist modern und von Designern entworfen. Schrecklich kalt und ungemütlich. Manche Fohlen aus meiner Klasse würden alles dafür geben, hier eine Woche wohnen zu dürfen, aber ich sehne mich nach einer kleinen gemütlichen Wohnung. Heimelig und warm, mit schnurrenden Katzen. Bei uns ist alles groß, zwar warm, aber trotzdem einfach abweisend, alles weiß, schwarz, grau und creme, zumindest fast alles. Und Katzen wären undenkbar. Meine Mom immer, wenn ich sie frage: „Diese Biester haben Flöhe und Milben, außerdem machen sie die Möbel kaputt, die waren superteuer. Und noch dazu könnten sie Kratzer in die Wände machen, wir haben überall Katzenhaare und sie stinken brutal, du musst immer ihr Klo saubermachen und sie füttern… Glaub mir, ohne Tiere ist es besser. Schätzchen. Jetzt schau doch nicht so. Klar, du bist noch jung und unerfahren, aber das musst du doch auch mal erkennen.“ Stundenlang kann sie über Katzen und ihre Nachteile schimpfen. Einfach schrecklich. Geplättet sehe ich mir die Tierfotos an und mache mir Gedanken über Moms Worte. Ich kann sie inzwischen auswendig, so oft habe ich sie schon gehört. Zora steht auf und sieht mich an. „Ich muss jetzt ein Video für YouTube drehen, also, bis in einer Stunde oder so.“ Damit verlässt sie den Raum und ich sehe ihr genervt hinterher. Typisch Zora. Sie hat nur TikTok, YouTube, Instagram, Facebook, Snapchat und Twitter im Kopf. Sie hat auf gefühlt jeder Plattform zum Video- und Bilderupload einen Account. Und meistens unverschämt viele Follower. Auf YouTube so um die 10.000 und auch sonst nicht unter 1.000. Ich habe mal probiert einen Kanal auf YouTube zu machen, aber ich hatte dann gerade mal 3 Abonnenten. Also hab ich ihn wieder gelöscht. Plötzlich höre ich ein Geräusch und fahre herum. Nautes, mein 17 Jahre alter Bruder steht in der Tür und sieht mich abschätzig an. „Haben wir noch Cornflakes?“ So geht unser Morgengespräch fast immer los. Tolles Thema. „Nee, die hast du doch gestern ausgeleert.“ Nautes knirscht mit den Zähnen. „Mom hat also keine neuen gekauft? Ich hatte es ihr doch gestern extra noch gesagt. Aber die Arbeit.“ Da vibriert mein Smartphone nun schon zum zweiten Mal heute.
Missy🐯
hey linda hast du die hausaufgaben von dieser woche aufgeschrieben? Ich war zu dumm😅
Linda
klaro ich schick sie dir XD seite 51 bis 55 im physikheft und englisch arbeitsblatt
Missy🐯
danke♥️ sry für die mühe
Linda
no problem passiert mir auch immer
Ich grinse in mich hinein, aber wende mich dann wieder Nautes zu. „Naja, wir haben Crunchy… Geht das auch?“ Nautes stöhnt und nimmt sich eine Schüssel. Dann geht er zum Kühlschrank und schaufelt sich Straciatellajoghurt hinein. Er verlässt die Küche und ich höre, wie der Fernseher angeht. Explosionen und Schreie sind zu hören. Typisch Nautes. Entweder er zockt, oder er sitzt vor dem Fernseher. Ich hasse das! Also nix mit der Mangaka-Doku… der Tag fängt ja schon mal gut an… 😑
Kapitel 2: Ab auf die Katastrophen-Eislaufbahn! 😬
Nach meinem Frühstück (Toast und Kaffee) gehe ich wieder in mein Zimmer. Normalerweise… ähm, ja, was mache ich samstags eigentlich sonst immer? Kurz überlegen… letzten Samstag waren wir in Disneyland gewesen, weil Mom sich freigenommen hatte, sonst habe ich mich mit Feli, Missy, Schecki oder halt meinen anderen Freundinnen getroffen. Aber mit Feli treffe ich mich erst um 14:00. Bis dahin sind es noch ungefähr 2 Stunden. Also was soll ich bis dahin machen? Nautes besetzt den Fernseher, also kann ich weder eine DVD noch TV schauen. Vielleicht könnte ich ja Animal Crossing auf der Nintendo Switch weiterspielen. Ja, das mache ich jetzt. Da vibriert mein Smartphone und ich nehme es vom Nachtkästchen.
Feli☮️BFF
liiiiiiindaaaaaaa! Bitte komm schon jetzt zur eislaufbahn, ich muss dir dringend was erzählen! Und zwar nicht am handy… BITTE!!! 🥺Linda
klaro bin schon unterwegs
Ich jubele innerlich und verlasse eilig das Zimmer. „Bye!!“ brülle ich und warte auf eine Antwort. … Stille 😑… Wusste ich es doch. Jeder ignoriert mich einfach komplett. Super.
Ich werde es weit bringen im Leben.
Aber erst mal ist anderes wichtig. Ich schnappe mir meine Daunenjacke und nehme den Rucksack mit Magnetkarte, Geldbeutel, Schlittschuhen und Smartphone. Mütze, Schal, Stiefel, Check. Jetzt kann es losgehen. Ich öffne die Tür und renne die Treppen nach unten. Die Haustür fällt krachend hinter mir ins Schloss, doch ich ignoriere sie. Als ich die Magnetkarte an den Scanner unserer Garage halte, piepst es dreimal und das Tor fährt nach oben. Ich renne nach ganz hinten und schiebe meinen E-Roller in die Einfahrt. Anschließend drücke ich auf das Schlüsselsymbol und das Garagentor geht geräuschlos zu.
Unheimlich, die moderne Technik. Ich schwinge mich auf den Roller und gebe Gas. Auf zur (Katastrophen-, aber das wusste ich noch nicht) Eislaufbahn!
Als ich meinen E-Roller am Fahrradständer festmache, steht Feli schon an der Glühwein-Bude. Passend zu der Eislaufbahn gibt es zeitgleich auch einen Weihnachtsmarkt, an dem man die schönsten Kleinode erwerben kann. Allerdings nicht gerade billig.
Außer Atem komme ich Feli entgegen. „Wollen wir jetzt Schlittschuhlaufen?“ fragt sie und bringt mich damit total aus dem Konzept. „Ich bin gefahren wie eine Blöde! Ich dachte du willst mir was wichtiges sagen!“ „Schrei nicht so, bitte!“ flüstert Feli. „Das ist peinlich…“ Ich sacke innerlich zusammen. Feli findet mich, ihre BFF, peinlich? Ich dachte immer BFFs sind zusammen manchmal peinlich und es macht ihnen nichts aus!
Ein wenig geplättet folge ich Feli zu den Holzbänken und ziehe meine Schlittschuhe an. Danach wackele ich zur Eislaufbahn und stolpere kurz vor dem Eingang fast über meine Füße. Ein paar vereinzelte unterdrückte Lacher kann ich hören, und ich werde rot.
Aber was will Feli mir jetzt sagen? Ich hole mir ein 2-Stunden Ticket und gebe es dem Pferd beim Eingang. Scan, lochen, ab auf die Bahn.
Kaum setze ich den ersten Huf auf die Eislaufbahn, zerrt Feli mich zur Sitzecke. Praktischerweise sitzt dort gerade niemand. „Also, ich muss dir was erzählen…“ fängt Feli an und ich stöhne auf. „Das hast du mir schon geschrieben, also bitte komm zur Sache.“ Feli nickt, plötzlich übereifrig. „Also…
ICH DARF IN EINEM FILM MITSPIELEN!!!!“
Ich sehe Feli an und kann es kaum glauben. Feli, meine allerbeste Freundin, die tollpatschige, nette, treue Freundin SPIELT IN EINEM FILM MIT????
„Ich glaubs nicht…“ keuche ich.
„Aber es ist so!“ Feli sieht mich mit funkelnden Augen an. „Und noch besser…“
„Was? Sags mir!“
„Du darfst auch mitmachen!!“
Alles dreht sich um mich herum und ich muss mich an Feli festhalten, obwohl ich sitze.
Ich. Spiele. In. Einem. Film. Mit. OMG!!!!
„Beruhige dich, Linda!“ dringt Felis Stimme zu mir durch. „Es geht in 5 Wochen los, da musst du fit sein!“ „A-aber ich kann doch noch gar keinen Text…“ Feli sieht mich verwundert an. „Text? Du bist eine Hilfe am Set, keine Schauspielerin.“
Mit diesem einen Satz zerstört Feli meine Fantasien und ich starre ein bisschen verletzt auf meine Hufe. Okay, dann halt Hilfe beim Film.
Langsam freunde ich mich mit dem Gedanken an. Vielleicht werde ich ja mal als Double eingesetzt und komme dann groß raus.
Feli sieht mich an. „Wir übernachten im 5-Sterne-Hotel, natürlich alles schon bezahlt, kriegen Gage und Verpflegung. Aber jetzt wollen wir erstmal Schlittschuhlaufen. Du musst dann heute Abend die Einwilligung unterschreiben, ich schicke sie dir. Mit der E-Mail-Adresse des Managers. Passt das?“ Ich nicke und springe auf. Vielleicht keine Schauspielerin, aber immerhin kann ich beim Dreh dabei sein. „Wo ist das überhaupt? Also wo wird gedreht?“ Feli lächelt verträumt. „In der Karibik, am Strand.“
„Woohoo!“ schreie ich und springe auf die Eisfläche. „Du musst deiner Mom danken, die hat dich da angemeldet, also da wurden halt Hilfen gesucht und sie hat dich vorgeschlagen.“
Es passiert selten, aber innerlich danke ich Mom.
Aber jetzt fahre ich erstmal ausgelassen über die Eisfläche.
*
Um 15:07 sehe ich Mom, Blitz und meine Geschwister aus dem Auto steigen. Ich fahre auf sie zu und warte, bis sie Schlittschuhe angezogen und bezahlt haben. Dann rase ich auf Mom zu und umarme sie stürmisch. „Dankedankedankedanke!!“ Mom lächelt ein bisschen. „Naja, Zora ist YouTuberin, Nautes auch, Butterfly Wing ist eh zu nix zu gebrauchen und ein Fohlen musste da mitmachen, damit sich mein Ruf verbessert.“
Um ihren Ruf zu verbessern? „Danke.“ sage ich noch einmal lahm, dann fahre ich wieder zu Feli. Um ihren Ruf zu verbessern macht Mom das also. Naja, Hauptsache ich bin dabei. Ich ringe mir ein schwaches Lächeln ab und gleite weiter mit Feli um die Bahn.
Plötzlich hallt ein Schrei über die Eisfläche, und ich fahre erschrocken zusammen.
Ein Pulk aus Pferden hat sich um einen Fleck geschart, und ich fahre auch dazu. Eine bekannte Stimme jammert: „Und was ist jetzt mit dem Job, den ich habe?“
„Zora!“ brülle ich. Ich schubse die Pferde zur Seite. „Lasst mich durch, das ist meine Schwester!“ Die Pferde machen mir sofort einen Gang frei und ich falle fast hin. Aber ich kann mich noch halten und komme neben Zora zum stehen. Blitz kniet neben ihr und Mom tippt nervös am Handy herum. „Krankenwagen kommt gleich.“ Zora sieht Mom gequält an. „Und was wird aus meinem Job? Ich sollte dort übermorgen anfangen!“ „Linda übernimmt das.“
Hä? Was wurde hier ohne mich entschieden? Doch das würde ich schon noch schnell genug erfahren… 😶
Kapitel 3: Was wurde hier ohne mich entschieden…? 😡
Mom zwang unsere ganze Familie (inklusive Blitz, für sie gehört er schon zur Familie) mit ins Krankenhaus zu fahren. Ausnahmsweise durfte ich auch Feli mitnehmen. Wahrscheinlich lag das an dem, was ich jetzt erfahren würde. Also wegen dem „Linda übernimmt das.“.
Was soll ich übernehmen? Was für ein Job ist damit gemeint? Ist er für mich überhaupt machbar? Fragen über Fragen, und noch keine Antworten.
SO NICHT!!!! Ich würde Mom die Antworten bis ins kleinste Detail aus der Nase ziehen, das war schon mal klar 😤.
Als wir am Krankenhaus ankommen, schubst Mom uns aus dem Wagen, damit Zora auf der Liege in die Notaufnahme getragen werden kann. Warum Notaufnahme? Es war wahrscheinlich nur ein gebrochenes Bein. Aber wahrscheinlich hat Mom die Sanitäter so lang drangsaliert, bis sie ihr Lieblingsfohlen in die Notaufnahme bringen würden.
Blitz steht etwas abseits und tippt auf dem Handy herum. Normalerweise wird Mom jetzt in die Luft gehen, dass Blitz bei so einer Angelegenheit ins Handy schaut, aber sie lächelt ihn nur an. Uns Fohlen zerrt sie mit ins Krankenhaus. Die Sanitäter tragen Zora gerade vorsichtig in einen Aufzug, in den Mom uns schiebt und sich selbst direkt neben Zora stellt. Diese ist schon wieder am meckern. „Wo ist mein Smartphone? Ich muss meinen Freundinnen schreiben, dass ich heute Abend nicht mit ihnen essen gehen kann!“ Mom schüttelt den Kopf. „Nein, jetzt kannst du nicht mit dem Handy schreiben, du wirst jetzt geröntgt.“ Zora wird leichenblass. „Aber dann heißt das dass ich wahrscheinlich länger hier bleiben muss?“
Mom nickt. „A-aber ich da-dachte…“ Zora kommt ins Stottern. „Ich hatte doch gesagt, Linda übernimmt dann den Job.“ Meine Schwester beginnt zu schwitzen. „Ich dachte, Linda übernimmt das für 5 Tage oder so, aber doch nicht die ganze Zeit!!!“ Mom sieht Zora ernst an. „Tja, aber jetzt ist es nun mal so.“ „Aber Linda wird alles vermasseln!“ Ich weiß zwar nicht, um was es sich handelt, aber danke für dein Vertrauen, Zora 🙄…
„Ich werde Linda alles erzählen, sie wird es schon schaffen.“ „Okay, sie kann es versuchen.“ Zora wiegt den Kopf hin und her. „Aber das sage ich nur, weil ich keine Wahl habe…“
Mom sieht mich ernst an. „Wir warten hier auf dich, Zora.“ Mom drückt mich auf einen weißen Plastikstuhl. „Das würde mich jetzt aber auch interessieren.“ Butterfly Wing, meine Zwillingsschwester, lässt sich neben mir auf einem Stuhl nieder. Sie zupft an ihrer neonorangenen Daunenjacke und sieht Mom interessiert an.
„Also, Zora hat sich für eine Job in einem Modeladen beworben. Da gibt es Kleidung, Make-Up, Parfüms und noch mehr. Diesen Job hat auch ihre Freundin Stella bekommen, also als Minijob halt. Und Zora sollte eigentlich am Montag anfangen, aber da sie sich jetzt wahrscheinlich ein Bein gebrochen hat musst du für sie einspringen. Keine Widerrede!“
Ich bin noch zu verwirrt, um etwas zu sagen. Aber langsam stellt sich alles bei mir auf Wut um. „Du entscheidest irgendetwas ohne mich, und dann soll ich noch mitspielen?! Du denkst doch jetzt nicht echt, dass ich da mitmache!“ Am liebsten würde ich jetzt aufspringen wie im Film, aber das traue ich mich nicht. Also sitzen bleiben. Mom sieht mich mit diesem Du-bist-so-naiv-und-dumm-und-weißt-noch-nichts-über-das-Leben-also-mach-was-ich-sage-Blick an. „Linda, das ist deine Chance. Du verdienst Geld, freundest dich vielleicht mit anderen Fohlen die da jobben an und hast bestimmt auch Spaß. Und außerdem, wenn meine Fohlen einen Minijob machen, verbessert sich mein Ruf.“ Immer ihr Ruf! Warum ist ihr nur der Ruf wichtig, nicht wir Fohlen?
Da mischt ausgerechnet Wing (Abkürzung von Butterfly Wing) noch mit. „Ich fände es toll, wenn Linda da jobben würde!“ „Siehst du, sogar deine Schwester ist dafür.“ Ich werfe Wing einen bösen Blick zu, bevor ich aufgebe. „Na gut, dann mache ich den Job halt…“ „So ist es gut.“ sagt Mom und lächelt. Ich schreie innerlich, aber Mom kann das ja nicht hören, also wird es nichts bringen. Ich muss mich meinem Schicksal wohl fügen.
„Wo ist mein E-Roller?“ frage ich. „Der steht noch bei der Eislaufbahn, denke ich. Es sind ungefähr 10 Minuten Fußweg. Du kennst den Weg ja, oder?“ Ich kenne ihn nicht, aber Google Maps wird mir helfen. Also nicke ich. „Klar kenne ich den Weg. Bye.“ Und damit verschwinde ich in den Aufzug. Feli rennt mir hinterher und bleibt fast in der Tür stecken. „Warte, Linda!“ Ich drehe mich um und schaue Feli an, die sich noch schnell in den Aufzug gequetscht hat. „Was ist?“ Feli fragt: „Können wir vielleicht noch auf den Weihnachtsmarkt? Ich wollte nach Geschenken sehen, halt für meine Familie.“ Ich überlege. Ich muss auch noch nach Weihnachtsgeschenken schauen. „Na klar, vielleicht gibt es ja schönen Weihnachtsschmuck!“ Ich brauche auch noch Weihnachtsschmuck, weil Mom hat den alten letztes Jahr weggeschmissen, nach dem Motto: Neues Zuhause, neue Sachen. Typisch Mom 🙄. Ich mochte unseren alten Weihnachtsschmuck, aber Mom konnte ihn nicht leiden. Also, neuer Schmuck musste her. Mom hat sich schon einen Designer-Adventskranz gekauft. Nur in weiß und grün. Irgendwie überhaupt nicht weihnachtlich. Also will ich mir klassischen Weihnachtsschmuck kaufen.
Ich nehme mein Smartphone aus der Jackentasche und öffne Google Maps. Ich gebe „Marktplatz“ ein und die Route wird berechnet. Dann wird ein blauer Weg sichtbar und ich folge ihm.
Feli läuft neben mir. „Kennst du dich da nicht aus?“ fragt sie verwundert. „Ähm… nein, leider nicht…“ Oh Gott, ist das peinlich 😬! Feli grinst. „Ich zeige ihn dir.“ „Danke.“ Ich lächele verkrampft. Ich kann es immer noch nicht glauben. Ich fange übermorgen in einem Laden zu jobben an. Und ausgerechnet mit Stella als Kollegin.
8 Minuten später stehe ich vor der Eislaufbahn und entsperre das Schloss an meinem E-Roller. Ich winke Feli und rufe: „Vielleicht sehen wir uns bald mal wieder!!“ Feli winkt zurück und schreit: „Hoffentlich!“ Und so fahre ich zurück, noch nicht wissend, welche Katastrophen mein erster Arbeitstag zu bieten hat… 😵
Kapitel 4: Der erste Arbeitstag mit meiner Feindin… 😨
Jetzt ist (leider) Montag, der 25. November. Ich muss da durch! Jetzt muss ich in die Schule und in die mir aufgezwungene Arbeit. Jetzt ist die Schule schon vorbei, und ich muss mir mit dem Geld, das Mom mir mitgegeben hat, etwas zu essen kaufen. Also auf zum Discounter…
Ich schwinge mich auf meinen E-Roller und fahre Richtung Einkaufszentrum.
Als ich nach 10 Minuten dort ankomme, schließe ich den E-Roller an dem Fahrradständer fest und trabe durch die große Tür. Was soll ich jetzt nehmen? Vielleicht ein Sandwich?
Also auf zur Bäckertheke und schnell eine belegte Semmel kaufen. Danach wieder zum
E-Roller und weiterfahren.
Ich kenne den Laden gut, meine Mom ist oft mit mir dorthin, aber ich wollte nie etwas von dem Zeug da haben. Der Laden heißt Beautiful’s Place und ist total angesagt. Und ich soll ausgerechnet da arbeiten. Mit Stella.
Das wird nichts Gutes werde. Ich weiß, manche würden sogar dafür bezahlen hier zu arbeiten… Schräg, oder? Ich blinke und biege in die Hauptstraße ein. Gleich bin ich da.
Ich lenke meinen E-Roller in die Einfahrt und schließe ihn am Fahrradständer fest. Eine bildhübsche schwarze Stutedrängelt sich an mir vorbei und steigt in einen Porsche. Igitt. Immer diese Super-Reichen… Ich hasse das. Obwohl… eigentlich gehöre ich auch zu den Reichen. Naja, egal, ab zur Arbeit 😖… eigentlich will ich gar nicht…
Aber ich habe keine Wahl. Die Tür geht von selbst auf, als ich mich ihr nähere und ich trete ein.
Leise dringt die Musik aus den Charts durch Lautsprecher. „Come on, come on, come on, come on, come ooooooon, let’s get physical 🎶…“ summe ich den Song mit.
(Für alle die wissen wollen, was für ein Song das ist; Physical von Dua Lipa, gehört auch zu meinen Lieblingssongs. Hört ihn euch doch gerne mal an 😊. Auch das Speed Up dazu ist gut 😍)
Immerhin gibt es gute Musik… Was meinen… ich kann es kaum aussprechen… Arbeitsplatz immer noch nicht besser macht…
Eine junge Stute im Hosenanzug eilt auf mich zu. „Du bist… Linda Speeder, die Vertretung von Zora Speeder, nicht wahr?“ Ich nicke. Dad kommt aus England, also bekamen wir englische Nachnamen.
„Gut, du wirst dringend gebraucht.“ Die Stute lotst mich in Richtung Mitarbeiterbereich. Dort steht eine höchst unzufriedene Stella und mustert mich kritisch. „Jeans, Hoodie? So willst du hier arbeiten?“ Die Stute im Hosenanzug seufzt. „Gleich, Stella. Nur kurz vorstellen. Also, Stella kennst du ja schon. Ich bin Scarlett, eure Vorgesetzte. Also natürlich bin ich nicht die Chefin, aber ich gebe euch Anweisungen.“ Stella streicht eine unsichtbare Fussel von ihrem Hosenanzug mit der Aufschrift Beautiful’s Place, ein typisches Anzeichen dafür, dass sie mich schon jetzt übelst nervig und störend findet.
Scarlett betrachtet mich kurz und fragt: „Willst du jetzt deinen Hosenanzug holen?“
Ich nicke, froh von Stella wegzukommen.
5 Minuten später stehe ich mit einem total unbequemen Hosenanzug neben Stella und Scarlett und warte auf Anweisungen der Zweiteren. „Also, wir haben eine neue Lippenstift-Lieferung bekommen. Um die könntet ihr euch kümmern. Also in den Lagerraum bringen. Linda, den kannst du dir von Stella zeigen lassen.“ Ich nicke nur, was soll ich sonst auch machen?
Stella zupft mich am Hosenanzug und ich folge ihr zum Hintereingang. Dort sieht sie mich wütend an. „Bring mich ja nicht um meine Stellung!“ „Welche Stellung 🤔?“ Leicht verwirrt schaue ich Stella an. „Naja, nur einer von uns beiden wird dann wirklich hier arbeiten können.“ „Ich will doch gar nicht hier arbeiten… aber bringe ich dann nicht auch Zora um die Stellung hier?“Stella funkelt mich sauer an. „Das ist erstmal egal.“ „O-okay…?“
Ich werde Zora die Stellung sichern 😤. Egal, dass ich Zora nicht leiden kann. Hauptsache, Stella bekommt sie nicht.
„Perfekt.“ Stella lächelt süffisant und geht auf den Lieferwagen zu.
Ich kann diese Zicke nicht leiden! Ich muss mich gut anstellen. Aber bei meiner Tollpatschigkeit könnte das schwer werden…
Ich gehe Stella hinterher und nehme eine Kiste mit der Lippenstiftfarbe „Winter Kiss“.
Aha, also saisonaler Lippenstift. Interessiert mich doch nicht. Ich laufe auf den Hintereingang zu. Stella geht grinsend an mir vorbei, und ich spüre, wie ich über etwas stolpere. Verdammt!
Ich falle und die Kiste kracht zu Boden. Aggressiv blicke ich Stella hinterher. Zora soll diese Stellung bekommen, verdammt nochmal! Aber erst mal darf ich dieses Chaos hier beseitigen. Überall Lippenstifte. Scarlett kam entsetzt angerast. „Stell hat mir erzählt, was passiert ist! Ist die Lieferung vollständig?“ Ich stehe auf und sehe Scarlett an. „Klaro!“ Ich raffe hektisch ein paar Lippenstifte zusammen und lege sie in die Kiste. Scarlett nickt und verschwindet wieder. Ich packe die Kiste und meide es, Stellas Weg zu kreuzen.
Im Lager ist ein Schwerlast-Regal für den Lippenstift „Winter Kiss“ vorgesehen. Ich stelle den Karton dort ab und sehe mich kurz um. Ein heller Raum, ganz anders als normale Lagerräume. Viele Schwerlast-Regale stehen dort, und ein anderes Pferd stellt gerade einen Karton in eines. Puh, nicht Stella.
Ich gehe wieder zum Lieferwagen und nehme die nächste Kiste.
20 Minuten später sind wir mit dem Ausräumen fertig und stehen vor Scarlett. „Okay, als nächstes dürft ihr die Parfüms einsortieren. Ihr seht ja die Sorten und das Etikett am Regal.“ Mein erster Job, in dem ich im Laden auftreten darf. Scarlett stellt uns zwei Parfümkisten vor die Nase. Ich schnappe mir eine und beeile mich, an Stella vorbeizukommen.
Die Regale muss ich erst suchen, da sie ziemlich weit vorne im Laden sind. Und ich hinten.
Stella läuft mühelos an mir vorbei und lächelt mich mitleidig an. „Zu viel Fast Food gegessen? Oha, das tut mir jetzt aber leid für dich…“ Ich hasse es. Aber die Arbeit geht weiter (leider)…
Also ab zu den Regalen. Dort sortiere ich gedankenverloren die Parfüms ein. Ein Hengst drängt sich an mir vorbei, und ich traue meinen Augen nicht.
ES IST BLITZ!!! Was macht der denn hier??
Ich senke den Kopf, damit er mich nicht erkennt. Mom hat es ihm zwar gesagt, dass ich hier arbeite, aber ich will nicht, dass er mich sieht und erkennt.
Blitz nimmt sich ein Parfüm. La Fleur steht an dem Regalfach (für Stuten!) und er rauscht damit zur Kasse. Er zahlt mit Karte und verschwindet wieder. Will er das Parfüm etwa Mom schenken?
Da kommt Scarlett und sieht mich an. „Das ist Parfüm für Hengste was du hier gerade hast.“
Oh, scheiße 😬! Ich sortiere schnell das Parfüm aus und lege es in die Kiste zurück.
Dann gehe ich zu der Hengste-Abteilung. Die Parfüms sind auch dort ganz vorne und ich sortiere sie (diesmal sogar richtig 🥳) ein.
Plötzlich sehe ich in Gedanken, wie Blitz nach einem Parfüm greift. Einem von mir einsortierten. Holy shit!!! Was wird passieren wenn er es Mom gibt? Vielleicht kann ich ihn davor noch abfangen? Und ich dachte, die Katastrophen sind für heute nach der Arbeit vorbei!
Doch diese Katastrophen sollten erst richtig anfangen… 😱
Kapitel 5: Shit, schlimmer gehts immer (aber nur bei mir)😭
Am liebsten würde ich mich zu den Maulwürfen verbuddeln. Wie konnte ich nur so etwas übersehen 😖???!! Mir hätte doch klar sein müssen, dass ich Hengste-Parfüm einsortieren sollte!!! Stella hat nur fies gelächelt und mir dann die ganze restliche Zeit schwergemacht, weil sie weiß, dass ich schlechte Karten habe. Ich wünsche mir, dass ich die Zeit zurückdrehen kann. Und jetzt muss ich auch noch der Katastrophe bei uns Zuhause ins Auge sehen 😣… Der E-Roller ratterte über ein paar Kieselsteinchen und ich wurde immer nervöser. Bloß nicht zugeben, dass ich das war.
Als ich Zuhause ankam, wurde mir ein bisschen übel. Ich drückte die Magnetkarte gegen den Scanner und wartete auf das Piepsen. Stille. Na toll, mein Leben war im Eimer. Jetzt ignorierte mich sogar schon der Scanner. Doch da erhob der Scanner seine Stimme. Wow.
„Ihr Code stimmt mit dem eingespeicherten Code nicht zusammen. Falscher Code. Bitte ein anderer Code.“ Na toll, darauf hätte ich verzichten können. Ich tippte schnell auf meinem Handy herum und rief Mom an. Sie ging sofort ran. „Ja, Rosalinda, was gibt es?“
Ich hasse es wenn sie mich bei meinem vollen Namen nennt. Aber diesmal ignoriere ich es.
„Mom, mit meiner Magnetkarte stimmt was nicht. Ich kann die Garage nicht öffnen!“
„Ich komm, Rosalinda. Mach dir keine Sorgen.“
Immer dieses typische Mom-Getue 🙄. Ich hasse das. Aber das sage ich natürlich nicht.
„Aber beeil dich, Mom. Mir ist kalt, und es fängt jetzt auch an zu schneien.“ Damit lege ich auf. Als ob mein Tag nicht schon katastrophal genug gewesen wäre 🤐…
Da stößt Mom die Haustür auf und kommt zu mir. „Wie war das jetzt genau?“
Ich zeige es Mom und sie betrachtet die Magnetkarte sorgfältig. „Die gehört nicht zu unserem Haus…“ stellt sie fest. „Sondern zur Liebmüllerstraße 48. Da wohnt doch Stella!“
Oh, Mist! Ich muss sie bei Ladenschluss verwechselt haben! Stella und ich sollten unsere Wertsachen nämlich an Scarlett abgeben, die sie uns dann hingelegt hat. Da hab ich sie wohl verwechselt. Ich kläre Mom auf und sie nickt. Dann drückt Mom die Magnetkarte gegen den Scanner und die Garage öffnet sich. Ich schiebe meinen E-Roller ganz nach hinten, als ich sehe, wie Mom unseren Tesla in die Einfahrt manövriert. Ich eile zu ihr und sehe sie verwirrt an. „Wir holen die Magnetkarte.“ sagt Mom, als sei es die selbstverständlichste Sache der Welt. „A-aber ich hab Hunger!“ protestiere ich. Mom seufzt. Es ist erst 17:00, du wirst halt noch ein bisschen warten müssen.“ Ich lasse mich genervt auf den Beifahrersitz fallen und sehe Mom ein klitzekleines bisschen beeindruckt an. Aber nur 2 Sekunden, dann sehe ich auf die Straße.
Ungefähr 20 Minuten später stehen wir vor einem großen Haus, ganz in rosa und weiß. Ich bin, zugegeben, leicht angeekelt. Diese Farbe 🤢…
(Ein dickes, fettes SORRY an ALLE, die rosa mögen. Ich mag rosa auch, aber naja, Linda soll ja als Charakter nicht mich darstellen (obwohl manche ihrer Eigenschaften auch ich besitze, ich bin zum Beispiel auch tierlieb) und ihr Name Rosalinda, gefällt ihr ja auch nicht. Ich will einfach nur einen liebenswerten und realistischen Charakter haben)
Naja, Stella und ihren Eltern scheint sie zu gefallen. Ich weiß ja nicht 🤔…
Mom sucht unterdessen die Klingel. Aha, sie hat sie gerade gefunden. Mom klingelt und in der Gegensprechanlage ertönt eine Stimme, wahrscheinlich die einer Stute.
„Bitte?“ „Ähm…“ Mom räuspert sich kurz. Stille. „Hier ist die Mutter von dem Fohlen, dass mit ihrer Tochter zusammen beim Beautiful’s Place jobbt.“ „Ah, kommen sie rein!“
Der Türsummer erklingt und Mom drückt die Tür auf. Wir gehen eine Treppe nach oben und werden von einer rosafarbenen Welle überrollt. Ein rosafarbener Teppich, rosa Wände, Spiegel mit rosafarbenen Rahmen, rosa Schuhe… Einfach alles rosa. Super.
Eine Tür öffnet sich und Stella streckt muffelig den Kopf hinaus. Sie passt überhaupt nicht in den rosa Prinzessinen-Flair. „Herein?“ Bei ihr klingt das nicht nach Einladung, sondern nach einer Frage. Stella hält uns die Tür auf, und ich bin erleichtert. Im Wohnungsflur ist nicht mehr alles rosa, eher weiß und vanillefarben. Schon viel besser. Eine weiße Stute hält uns die Tür in einen Raum auf, der die Küche zu sein scheint. 4 Stühle stehen um einen Tisch aus Chrom und Glas, alle weiß. Stella lässt sich auf einen von ihnen sinken und tippt auf ihrem Handy herum. „Ich komm gleich zur Sache…“ fängt Mom an, dann erzählt sie was vorgefallen ist. Stella haut ab und holt die Magnetkarte aus ihrem Zimmer, und wir tauschen wieder. Endlich den ganzen Tag nur noch Ruhe, Ruhe, Ruhe.
Shit, ich hatte das Parfüm vergessen 🫣… Das kam ja auch noch auf mich zu 😭…
(Diesmal ein recht kurzes Kapitel, sorry. Ich wollte halt gern diesen Schluss. Warum?🤨 fragt nicht xD)
Kapitel 6: Warum immer ich 🤧????!!! (*schnieft*)
Ich sitze wie ein Häufchen Elend neben Mom im Auto und versuche, nicht daran zu denken, was passieren wird, wenn Blitz Mom das Parfüm schenkt. Mit jeder Minute, die vergeht, möchte ich mich immer mehr irgendwo eingraben. Aber so leicht ist das leider nicht 😕…
Mir ist schon ganz kalt vor lauter Angst davor, was passiert 🥶…
Auch als Mom dass Radio anschaltet, singe ich nicht mit, wie sonst immer.
Als wir Zuhause ankommen, begrüßt Mom Blitz überschwänglich. Sie knutscht ihn vor aller Augen ab. Igitt. Wenn ich mir vorstelle, dass ich irgendwen nur halb so leidenschaftlich küsse, dreht sich mir der Magen um 🤮. Zora hat schon viele Freunde gehabt, und mir auch manchmal berichtet, wie sie sich geküsst haben. Mit Zunge und so 🤢. Bro, das ist doch ekelhaft!!! Warum?? Wozu braucht man einen Freund? Hier eine von mir erstellte Pro- und Contra-Liste:
Contra:
– er kann dich hintergehen
– küssen ist ekelhaft
– er hängt sich an dich ran, oder andersrum
– wenn er sich gerade nicht treffen kann, heulst du
– du musst ihn vielleicht umarmen >-<
Pro:
+ mir fällt nix ein 😖
Das ist die Liste…
Mom sieht Blitz verliebt an und er sieht zurück. Wie kleine Hundewelpen… Echt ekelhaft…
Aus der Küche kommt Zora, Butterfly Wing im Schlepptau. „Hier, schaut euch die Zeitung mal an!“ Ja, Zora ist schon wieder Zuhause. Nur halt mit Gips und sie soll sich schonen.
Jenna Carter jetzt live sehen! Direkt vor Ort!

Sie werden es nicht glauben! Jetzt Jenna Carter ganz einfach live sehen! Besorgen auch Sie sich ein Ticket für ihren Auftritt direkt hier, in Hamburg! Die inzwischen 22-Jährige erlebte eine steile Karriere, nun zählt sie zu den Stars am Pop-Himmel. Sie wird Sie mit ihren Songs verzaubern. Bis jetzt war noch jeder in den Charts. Aber sehen Sie selbst! Lassen Sie sich mit tollen Lichteffekten und Songs vom Feinsten verzaubern! Aber Jenna hatte keine leichte Kindheit. Darüber erzählen wir Ihnen jetzt etwas:
Am 07. Mai 2002 wurde Jenna in Büdingen geboren, ihre Eltern verstarben, als
sie 8 Jahre alt war. Also kam sie zu einer Pflegefamilie, wo sie sich gut einlebte.
Aber als sie anfing, Songs zu schreiben und diese hochzuladen auf YouTube
(mit 14 Jahren), machte ihr die Pflegefamilie das Leben schwer. Also zog Jenna in eine WG am Rhein, wo sie von ihren Mitbewohnern unterstützt wurde.
Erst auf YouTube, aber dann wurde sie von Managern gesehen und kam so zu dieser Karriere. Die Karten einfach bestellen unter: www.jenna-carter-hamburg.de
Die Eintrittspreise für das Konzert: Erwachsene: 50€ | Ermäßigt: 45€ | Fohlen: 30€
Kommen auch Sie! Jetzt in der Stadthalle! Jenna Carter live erleben! Am 10.12.2024
Zora sieht Mom bittend an. „Können wir da hin?“ Mom seufzt. „Ich überlege. Ich habe bald eine Geschäftsreise, ich weiß zwar den genauen Termin noch nicht, aber dieses Konzert könnte in die Reise hineinfallen. Mal schauen.“ „Okay…“ Zora nickt ein wenig niedergeschlagen. „Aber jetzt gibt es erstmal Essen.“ bestimmt Blitz.
Mann ey! Muss der sich echt immer in unsere Angelegenheiten einmischen 😤?
Ich folge Mom in die Küche und bereue es gleich darauf. Die Parfümsache 😨!
Wie dumm bin ich eigentlich???
Mom setzt sich auf einen der Stühle und wartet. „Blitz, was gibt es denn?“ fragt sie.
Blitz lächelt. „Fischstäbchen, Süße.“
Igitt! Also beides. Die Fischstäbchen und das „Süße“. Fischstäbchen im Winter? Ähm… ne danke 🤢…
Aber ich halte brav meinen Teller in Richtung Blitz und bemerke eine Ausbeulung in seiner Hosentasche. Holy Shit!!! Das Parfüm!!!!
Blitz wartet, bis alle etwas auf dem Teller haben, dann steht er auf.
„Butterfly, ich habe hier noch etwas für Dich.“
Oh Gott. Ich wünsche, ich könnte in Ohnmacht fallen, wie im Film. Aber ne, das Universum hasst mich 😭… Ich bin echt überall unbeliebt. Arbeit. Schule. Universum. Zuhause. Überall.
„Ich habe dir ein Parfüm geschenkt, das Teuerste von allen.“ Und er hält ihr das Hengsteparfüm hin. Mom sieht in verliebt an, dann betrachtet sie das Parfüm. Und schlägt es ihm aus dem Huf. Glassplitter verteilen sich über den Boden und Parfüm spritzt auf die Fischstäbchen. Blitz sieht Mom geschockt an. „A-aber Butterfly! Was soll das?“
„Willst du damit ausdrücken, dass ich stinke? Oder willst du einfach nur deine Scherze mit mir treiben?! Ich dachte, das alles wäre ernst gemeint gewesen!!“
Ich merke, wie ich schrumpfe. Dass das so schlimm werden würde, hätte ich nicht erwartet. „Nein, HALT, STOPP!!!!“ brülle ich und springe auf. Zora sieht mich erschrocken an.
Mom sieht sich wütend zu mir um. Auch Blitz wendet den Kopf zu mir. Alle sehen mich an.
Nautes. Zora. Butterfly Wing. Blitz. Butterfly. HILFE!!! Aber da muss ich jetzt durch.
„I-ich war das mi-mit dem Parfüm…“ stammele ich. „Ich habe aus Versehen das Hengsteparfüm bei den Stuten einsortiert…“ Ich habe mich getraut.
*
Eine halbe Stunde und ca. 10 Donnerwetter später sitze ich geknickt auf meinem Bett.
Fast hätte Mom sich von Blitz getrennt. Wegen mir. Ich bin an allem schuld 😭!!!!!
Mit diesem Gedanken kuschele ich mich ins Bett und schlafe ein.
Was wohl der Tag morgen für eine Katastrophe mit sich bringen wird 🤔?
!! Die Sängerin ist frei erdacht !! (fragt nicht warum ich das dazu schreibe xD)
Fortsetzung folgt… Und das Schleich-Foto kommt auch noch 🙂 (Dauert leider noch ein bisschen mit den Fotos, sorry 😓)
