
Kapitel 1: Ein gelungener Mittwochmorgen 😶
Der Wecker steht auf 6:37 als ich unsanft aus dem Bett geschmissen werde und auf dem Boden lande. Ich halte mir den Kopf und sehe unseren Husky Jaro über mir stehen. Und schon landet eine feuchte Zunge in meinem Gesicht.
Ich springe auf und wische mir schnell mit einem Taschentuch übers Gesicht.
Jaro zieht die Lefzen hoch und grinst mich an.
Argh… 😑
Naja, wenn ich schon mal wach bin, kann ich ja auch gleich wach bleiben und frühstücken.
Ich ziehe mir eine ausgebleichte Jeans und ein Oversized-T-Shirt über (eigentlich ist das T-Shirt bloß ausgeleiert, kein Oversized). Gähnend gehe ich die Treppen nach unten und schlurfe in die Küche. Licht fällt durch die Fenster auf Mama, die sich, schon hellwach, nach mir umsieht.
„Ah, guten Morgen Elli!“ Mama zieht ihre Kaffeetasse zu sich heran und legt ihren Löffel ab.
„Schon so früh wach?“ Ich nicke. „Jaro hat mich geweckt… 😑“
Mama sieht mich an, als wäre das etwas Gutes und nimmt eine Schluck Kaffee.
„Hä ist das etwa gut, oder was?“ frage ich leicht genervt. „Ja klar, Manfred hat gesagt er braucht Hilfe, und Papa ist gerade beim Einkaufen. Also hilf ihm!“
Manfred ist Mamas alter Schulfreund, bei dem wir (leider!!) zur Zeit Urlaub machen.
Und ich bin leider selber daran Schuld 😖. Wie es dazu kam, erwähne ich besser mal, damit keine Verwirrungen entstehen.
Ich wünsche mir schon seit Ewigkeiten ein Pferd. Einen Holsteiner. Ich liebe diese elegante Pferderasse und will unbedingt Turniere reiten.
Also habe ich es Mama eines Tages gesagt. Genau genommen vor einer Woche.
Sie war total happy und hat sofort telefoniert.
Ich dachte mir, sie telefoniert mit irgendeinem Pferdehändler und hab mich auch total gefreut.
Aber dann kam raus, dass Mama eigentlich mit Manfred telefoniert hat. Der einen Bauernhof besitzt. Mit Schweinen, Schafen, Ziegen, Kühen, Hühnern, Katzen und Pferden. Ach ja, die Hunde nicht zu vergessen. Und noch ein paar andere Tiere.
Aber hier gibt es nur Arbeitspferde und Shetties. Die man nicht reiten kann.
Naja, doch, einen Noriker kann man reiten.
Lieselotte. Ich bin einmal auf ihr geritten, und es hat sogar Spaß gemacht.
Aber sonst ist hier rein gar nicht los 🙄!!
Ach ja, und ich muss Manfred auf Befehl meiner Mutter immer helfen.
Und auch das Haus ist nicht wirklich schön.
Alles so rustikal auf aus irgendeinem hässlichen Holz.
Ich will wieder heim!!
„Nimm doch eine Kaffee, Schatz.“ Mama deutet auf die dreckige Kaffeemaschine.
Ich will gar nicht wissen, wie viel Prozent von Mamas Kaffee Kaffee sind und wie viel Matschbrühe 🤢.
Das „Ne, doch nicht aus der Kaffeemaschine!“ kann ich mir nicht verkneifen.
„Eleonore!“ ermahnt mich Mama. Sie nennt mich eigentlich immer Elli. Auch wenn sie sauer ist. Aber warum ist sie dann so extrem beleidigt, wenn ich Manfreds Kaffee-Maschine kritisiere…?
Eeeeegaaaaal…
Naja, dann halt keinen Kaffee. Dabei verzichte ich schon seit 5 Tagen auf meinem alltäglichen Morgenkaffee.
Und es gibt nicht mal ein richtiges Frühstück! Wenn man Glück hat, stehen harte Kaisersemmeln in einer Schüssel auf dem Tisch.
„Ich gehe mal frühstücken, danach helfe ich Manfred!“ rufe ich Mama zu, und bevor sie protestieren kann, bin ich schon aus der Tür und renne die Treppe hoch.
Ich werde einfach wie jeden Tag ins nächste Cafè, Bistro oder Bar gehen.
In „meinem“ Zimmer ziehe ich mich zuerst um (schwarze Skinny Jeans und ein schulterfreies, weißes T-Shirt) und hole dann Smartphone und Geldbeutel vom Nachtkästchen und stecke sie in eine kleine Handtasche von Hermès. Die teuerste Sache, die ich mir je mit Hilfe meiner Eltern geleistet habe.
Tasche P’tit Arçon.
3.800€
Boah, für das Geld kriege ich 2 Shetties!
Deshalb bin ich total stolz auf die Tasche.
Ich gehe die Treppen wieder nach unten und öffne die dunkelgrüne Haustür.
Kaum hört Jaro das Geräusch, ist er auch schon da.
„Nein, du musst da bleiben…“ ermahne ich ihn. Eigentlich wäre ich froh, ihn einmal los zu sein, aber in den 5 Tagen hier war er mein einziger Freund.
Auf dem Hof sehe ich Manfred am Brunnen stehen und Wasser schöpfen. Ja, hier wird das Wasser für die Tiere altmodisch aus dem Brunnen geholt… Nicht zu fassen.
1773 stehengeblieben in der Entwicklung. Selbst Wasserhähne im Freien waren vor gefühlt 100 Jahren modern.
Hm, vielleicht sollte ich kurz noch Emi, meiner BFF, schreiben, wie schrecklich es hier ist.
Also nehme ich mein Smartphone und entsperre es. Shit, kein Empfang!
Das ist hier irgendwie immer so 😑…
Bevor Manfred mich sehen kann, und zu irgendeiner Arbeit verpflichten kann, steige ich auf mein Hoverboard und fahre davon.
Leider ist man hier in der Pampa von dem nächsten Bistro mindestens 5 km entfernt.
30 Minuten später komme ich beim Bistro an und schnalle mein Hoverboard mit einem Fahrradschloss an einer Straßenlaterne fest.
Als ich die Tür des Bistros aufdrücke, weht mir der Duft gerösteter Kaffeebohnen entgegen.
Mmmh 🤤… Genießerisch sauge ich ihn ein und mir läuft das Wasser im Mund zusammen.
Ich setze mich an einen Tisch und hänge meine Handtasche über die Lehne des Stuhls.
Ach, wie das duftet! Ich hebe eine Hand und sofort setzt sich eine Bedienung in Bewegung und kommt auf mich zu.
„Ich nehme bitte einmal einen Cappuccino und…“ Mein Blick wandert über die Speisekarte, bis er oben rechts hängen bleibt. „Und einen Apfelstrudel.“ beende ich meinen Satz.
Die Kellnerin nickt eifrig und notiert sich etwas auf ihrem Gerät (was sind das für Geräte?!). Ich sitze wartend auf meinem Stuhl und sehe den anderen Leuten hier drin zu.
Manche tippen auf Laptops und trinken nebenbei Kaffee (auch eine Sache, die ich unbedingt mal machen muss, das wirkt bei den andren immer so cool), andere reden miteinander.
Und dann gibt es natürlich noch die Pärchen, die händchenhaltend nebeneinander sitzen und sich verliebt anstarren.
So gerne wäre ich eines dieser wunderschönen Mädchen, die ganz normal dort sitzen und Kaffee trinken, während ihr Freund sie anschaut, als wären sie das 8. Weltwunder. Aber ich bin keine von ihnen 🥺. Dieser Wahrheit muss ich ins Gesicht sehen.
Ich bin 14 und es gab noch nie jemanden der einen Crush auf mich hatte, geschweige denn jemanden, der mit mir zusammen hätte sein wollen.
Doch abrupt werde ich aus meinen düsteren Gedanken gerissen, als jemand einen Cappuccino vor mir abstellt. Gleich darauf folgt ein Teller mit einem Stückchen Apfelstrudel. „Danke!“ Ich nicke der Kellnerin dankend zu, und sie schenkt mir ein strahlendes Lächeln.
Perfekte, weiße Zähne, in einem perfekten Mund, mit perfekten, vollen Lippen.
Werde ich jemals so aussehen?
Doch gleich darauf wird meine Aufmerksamkeit abgelenkt, von jemandem, der die Tür des Bistros aufdrückt. Sofort drehe ich mich um, und mir bleibt der Atem weg 😮…
Kapitel 2: Wer ist der Typ 🤩?!
In der Tür steht der heißeste Typ, den ich je gesehen habe. Zerrissene Jeans. Schwarzes T-Shirt. Tiefe grüne Augen. Braune Haare, die beide Augen verdecken. Wer ist der Typ 🤩?! Ich drehe mich um und versuche normal weiter zu essen, wie ich es auch machen würde, wäre da nicht dieser Typ…! Ich spüre mein Herz unregelmäßig in meiner Brust hämmern, als er sich suchend umsieht. Er geht zielstrebig auf einen Tisch zu, wo ein etwa 15-jähriges Mädchen ihn lächelnd empfängt.
Natürlich. Ich wusste es. Die heißen Typen sind immer als Erste weg. Mein Herz krampfte sich zusammen. Warum überhaupt? Ich kenne den Typen doch gar nicht! Trotzdem merke ich, wie ich eifersüchtig werde, als das Mädchen eine Hand auf seinen Oberschenkel legt.
Mein Cappuccino ist inzwischen schon kalt, und der Apfelstrudel steht noch immer unberührt auf dem kleinen Teller. Ich zwinge meine Konzentration auf mein Frühstück und nehme einen Bissen des Apfelstrudels. Lecker 😊! Ich nehme einen zweiten und eine dritten Bissen, bis schließlich der Teller leer ist. Genauso wie die Kaffeetasse.
Aus dem Augenwinkel kriege ich mit, wie die Schönheit am Tisch mit dem heißen Typen aufspringt. Interessiert drehe ich mich um. „Deine Entschuldigungen interessieren mich nicht!“ blafft sie. Obwohl sie so zierlich ist, hat sie eine ziemlich laute und vor allem schrille Stimme. „Ich hatte dir schon mal gesagt, entweder sie oder ich!“ Ihre Stimme wird, wenn überhaupt möglich, noch schriller, bis sie bei den letzten Worten bricht, und das Mädchen aus dem Bistro stürmt. Ich sehe sie durch die Glasscheiben wegrennen, mit bebenden Schultern. Anscheinend einer von der Sorte Heartbreaker. Wie üblich bei den süßen Jungs (zumindest bei fast allen 😭).
Der Typ macht nicht mal Anstalten, ihr hinterherzulaufen. Ich spüre wie mir vor Wut das Blut in die Wangen schießt, und wenn ich nicht so schüchtern wäre, würde ich jetzt aufspringen und dem Typen meine Meinung sagen.
Aber dazu bin ich viel zu scheu. Ich verfluche mich in Gedanken dafür.
Als der Typ dann auch noch seelenruhig die Bedienung ruft, und fragt ob er zahlen kann, explodiere ich förmlich.
Aber nur innerlich…
Als auch ich eine Bedienung zum Bezahlen herwinke, sehe ich dem Typen hinterher, wie er sich seinen E-Roller schnappt und davonfährt.
Ich gebe der Bedienung einen 20€-Schein und murmele: „Passt so.“
Dann sprinte ich los, und höre nicht mehr, wie die Bedienung sich noch bedankt.
Für mich gilt nur eins: den Typen einholen, und ihm meine Meinung zu sagen. Endlich traue ich mich.
Als ich mein Hoverboard endlich losgemacht habe, sehe ich den Typ gerade in eine Seitenstraße einbiegen. Sein E-Roller ist vielleicht schneller als mein Hoverboard, aber ich bin besser als er!
Nach ca. 3 Minuten habe ich ihn eingeholt und fahre ihm im Schritttempo hinterher.
Plötzlich bremst der E-Roller vor mir und der Typ springt von der Trittfläche und dreht sich zu mir um.
„Warum verfolgst du mich?“ fragt er gefährlich leise. „Dunkle Seitenstraßen sind nichts für kleine Mädchen.“ Er betrachtet mich von oben bis unten, und plötzlich fühle ich mich mit der Skinny Jeans und dem schulterfreien T-Shirt viel zu leicht bekleidet, und fange an zu frösteln. Auch die Sonne scheint sich plötzlich verzogen zu haben, als der Typ näher kommt.
„Allerdings könntest du auch schon 16 sein, oder?“
Stumm sehe ich ihn an und wünsche mir, ich hätte eine Jacke, in die ich mich verkriechen könnte. Aber die habe ich leider zu Hause gelassen, ich Idiotin 🤧…!
„Bist du jetzt 16 oder nicht?!“ blafft der Typ mich an und ich sehe mich wie ein verschrecktes Häschen nach Hilfe um. Keiner in der Nähe. Perfektes Timing.
„J-ja“ stammele ich und gehe langsam Richtung Wand. Alles ist mit Graffiti besprüht, und ich fühle mich wie im schlechten Film.
„Und noch mal, warum verfolgst du mich?“ bohrt der Typ weiter. Das T-Shirt rutscht wie zufällig zur Seite, und er grinst zufrieden, als ich ihn anstarre und mein Blick zu seinem Bauch wandert. Durchtrainiert. Shit. Warum sieht er so gut aus??!!
Ich verdrücke mich wieder Richtung Wand, und der Typ knallt neben mir eine Hand an die Mauer. Und die zweite Hand auf die andere Seite. Ich bin eingesperrt, shit!
„Weißt du, ich finde das steht dir echt gut. Aber jetzt zum letzten Mal, antworte mir; warum hast du mich verfolgt?!“
„I-ich finde es scheiße, wie d-d-d-du deine Freundin hintergangen hast!!“ Jetzt stottere ich nicht mehr sondern brülle. „So etwas mach man doch nicht! Sie liebt dich! Und sieht noch dazu total süß aus!“ Man kann meine Stimme sicher durch die ganze Stadt hören, aber das ist mir egal.
„So gefällst du mir schon viel besser.“ „Was?!“ schreie ich. Was soll das? Ist das etwa das, was in den Filmen Anmache darstellt? Einerseits ist das irgendwie krass, aber andererseits auch irgendwie beängstigend.
„Ich stehe auf Mädchen, die mir auch mal ihre Meinung sagen.“ Er hebt mein Kinn an, und ich muss ihm in die Augen sehen. Seinen Pony hat er aus der Stirn gestrichen und grüne Augen funkeln mich an.
Waaaah, kann mich einer retten?!
Er kommt mit seinem Gesicht immer näher. „Name?“ fragt er. „E-Eleonore.“ stottere ich. Wie komme ich überhaupt dazu, ihm zu sagen wie ich heiße?!
„Ich bin Brian.“ Er grinst überheblich und ist dann von einer Sekunde auf die andere aus seinen E-Roller gestiegen und verschwunden.
Was war denn das? 😵
Kapitel 3: Was geht da ab 🤐?!
Okay, ich muss wieder klar denken können. Die Begegnung mit diesem Typen hat mich mehr zum Grübeln gebracht, als ich mir selbst eingestehen will.
Ständig denke ich an seine grünen Augen, wie sie mich angesehen haben und er leicht arrogant dazu gegrinst hat. Aber ich darf mich nicht blenden lassen. Brian hat seine Freundin abblitzen lassen, und sollte ich es jemals auf ihren ehemaligen Stand schaffen, würde mir nach ein paar Tagen dasselbe passieren.
Leider ist nicht alles Gold, was glänzt. Ich entschließe mich, noch weiter in der Stadt zu bummeln, obwohl ich jetzt eher nach Hause sollte, nachdem mich dieser Typ angefallen hat, Es fühlt sich komisch an, plötzlich seinen Namen zu sagen.
Brian.
Eigentlich ein schöner Name. Passt zu ihm.
Mann, warum muss ich ständig an ihn denken??!!
Ich gehe in das nächste Geschäft und sehe ins nächstbeste Regal. Dort stapeln sich Dekoartikel (hauptsächlich Bilderrahmen, aber auch ein paar Vasen) und ich merke, dass ich in ein Einrichtungsgeschäft gegangen bin. Langsam passt es mir immer weniger, an diesen Typen zu denken.
Im selben Moment höre ich die Tür des Geschäfts zufallen und sehe Brian reinkommen. Was macht der denn hier???!!!
Und zu allem Überfluss kommt er direkt auf mich zu. „So sieht man sich wieder, Eleonore.“ Die Art, wie er meinen Namen ausspricht, lässt mich erschauern und ich starre ihn wahrscheinlich gerade an wie Bambi. Super. Wenn ich mich mal an einen Jungen ranmachen will, passieren die peinlichsten Sachen.
Moment.
RANMACHEN??!!
Was denke ich denn da??? Ich will mich doch nicht an den arroganten Vollpfosten ranmachen!!
„Lass mich in Ruhe, du Vollpfosten!!“ brülle ich, und werde knallrot, als ich merke, was und wie laut ich das gerade eben gesagt habe. Shit…!
„Na na, jetzt werde doch nicht gleich beleidigend, Eleonore.“ erwidert Brian nur ganz gechillt und sieht mich mit seinen unglaublich grünen Augen an. „Ich muss dir was zeigen. Kommst du mal mit?“ Ich starre ihn an und nicke.
Als wir 10 Minuten später vor einem Haus stehenbleiben kriege ich eine Riesenschock. Warum habe ich zugestimmt?!
Brian nimmt mich mit nach oben zu einer Wohnung und schließt auf. Er führt mich ins Wohnzimmer, und ich sehe das dort 8 Kitten herumtollen. „Kannst du vielleicht eine davon brauchen? Die fressen mir die Haare vom Kopf 😅…“
Deshalb hat er mich also in seine Wohnung mitgenommen… Ich streiche mir eine blonde Strähne aus dem Gesicht und überlege. Manfred braucht sicher noch eine, aber will ich ihm überhaupt eine vermitteln? Nein, auf keinen Fall.
Naja, vielleicht kann ich ja eine nehmen und sie bei Manfred halten bis wir wieder zurückfahren.
„Ich nehme eine.“ sage ich, ohne nochmal darüber nachzudenken.
„Cool!“ Brians Blick wandert von meinem Gesicht abwärts, zu meinen Lippen, und auch ich spüre plötzlich eine Anziehung und gehe ein Stück näher zu ihm. Auch die Kitten sind plötzlich ganz still und ich habe das Gefühl, ich und Brian wären in einer Seifenblase, nur wir zwei.
Sein Blick verharrt auf meinen Lippen, und ich lege sanft eine Hand auf seine Wange. Ich spüre seine Bartstoppeln an meiner Handfläche kratzen, doch das stört mich nicht.
Ich beuge mein Gesicht näher zu ihm, und er kommt mir ebenfalls näher. Als ich seine Lippen auf meinen spüre, bleibt die Zeit stehen. Ich spüre, wie schnell mein Herz schlägt, und als seine Zunge gegen meine Lippen stößt stöhne ich kurz auf.
Langsam öffne ich meine Lippen und seine Zunge dringt in meinen Mund ein.
Oh mein Gott, ich hatte noch nie zuvor einen so intensiven Kuss gehabt.
Als dann aber seine Hand an den Saum meines T-Shirts wandert, setzen meine Gedanken aus. Funkstille. Seine Finger gleiten sanft unter den Stoff und finden mein Piercing an meinem Bauchnabel. Dieses eine Piercing hat Mom mir erlaubt. Sonst keines.
Und dann miaut plötzlich ein Kitten, und ich merke wieder wo ich war. Mit einen fremden Typen auf dem Sofa in einer fremden Wohnung. Ich stoße Brian weg und setze mich an die Kante des Sofas.
Brian ist ein Heartbreaker. Wenn ich mich mit ihm einlasse, werde ich nach spätestens einer Woche verletzt zurückgelassen. Ich darf mich nicht in Brian verlieben. Auf keinen Fall.
Ich hole mein Handy aus der Hosentasche meiner Jeans und sehe auf dem schwarzen Display, das ich gerötete Wangen habe.
Brian setzt sich ganz normal wieder aufrecht hin und ich werde wütend.
Ich bin total durcheinander und er tut so als wäre nichts! Macht er das etwa öfter? Mädchen mit in seine Wohnung schleppen und dann befummeln? Fast wäre ich zu weit gegangen und hätte ihm erlaubt, mir das T-Shirt auszuziehen!
„Kommst du morgen und holst die Katze ab?“ fragt Brian. „Ich könnte dir auch jetzt eine Transportbox mitgeben und du bringst sie mir dann wieder.“
Ich nicke. Ich muss wohl so oder so noch einmal hier herkommen. Also nehme ich die Transportbox und setze mich auf den Boden zu den Katzen.
Ein graues langhaariges mit den größten Katzenaugen der Welt hat mir gleich gefallen, und so setze ich es in die Transportbox und wende mich zum gehen.
„Es ist eine Kätzin.“ „Was?“ Ich drehe mich um und sehe Brian im Türrahmen stehen. „Dieses Kitten ist eine Kätzin.“ Brian nickt mit dem Kinn in Richtung der Transportbox. „Ach so klar.“ Ich gehe zur Tür, als Brian nochmal herkommt und mir in die Augen schaut. „Danke das du sie mitnimmst.“ Und da gibt es für mich kein Halten mehr. Sein Pony ist ihm aus dem Gesicht gerutscht und seine grünen Augen haben das schönste Grün, was ich je gesehen habe.
Diesmal küsse ich ihn nicht so sanft wie auf dem Sofa, sondern dränge gleich meine Zunge gegen seine Lippen, die sich sofort öffnen. Die Transportbox fällt zu Boden, und ich höre das Kitten miauen.
Und schon komme ich wieder zur Besinnung. Was mache ich hier nur ständig? Ich darf mich von Brian nicht küssen lassen, oder gar ihn küssen!
Ich hebe die Transportbox auf und gehe schnell durch die Tür und renne die Treppen nach unten.
20 Minuten später stehe ich mit den E-Roller vor dem Hof und lehne ihn an die Stallwand. Mit der Transportbox begebe ich mich in mein Zimmer und setze sie ab. Als ich das Gitter öffne, tollt das kleine Kätzchen sofort in “meinem“ Zimmer herum und ich lächle.
Wie soll ich es nennen? Was würde Brian für ein Name gefallen? Ich denke schon wieder an ihn. Das darf doch nicht wahr sein 😭!! Ich schmeiße mich genervt auf mein Bett, und nehme das Buch von dem Nachtkästchen neben mir. DON’T LOVE ME. Wie passend 😑…
Kapitel 4: Warum passiert so was immer mir 🤧…?
6 Tage später liege ich mal wieder auf dem Bett und sehe Queen beim Spielen zu. So habe ich das Kätzchen genannt. Gerade hüpft Queen in die Luft, da klingelt mein Handy. Unterdrückte Nummer. Ich schnaube genervt und hebe ab.
„Hi?“ Am anderen Ende höre ich eine mir leider sehr bekannte Stimme. „Hi Eleonore, ich wollte fragen, ob ich dich in die Disco einladen darf.“
WAS??!! Erstmal WARUM?! Ich meine ich war nicht besonders nett zu ihm 🤧… Aber egal, diese Einladung kann ich nicht ausschlagen. Damit komme ich mal wieder in die Zivilisation und bleibe nicht bis zum Ende meines Lebens hier in diesem Kaff.
„Klar komme ich. Wo und wann?“ Er nennt mir die Adresse. „Um 18:00? Heute?“ Heute schon? Okay, ich muss wirklich dringend wieder unter normale Menschen, also sage ich zu.
5 Minuten später stehe ich vor meinem Schrank und frage mich, warum ich nicht abgelehnt habe. Ich mag ihn ja noch nicht mal!! Doch kurze Zeit später strafen meine Gedanken mich Lügen. Ich denke schon wieder an ihn. Najaa, vielleicht mag ich ihn ja ein bisschen.
Aber was war dann das mit dem Kuss? Ein Kuss unter Liebenden (auf keinen Fall!!)? Oder ein Kuss unter Freunden (schon viiieeel eher!)?
Naja egal, jetzt sollte ich erstmal passende Kleidung für die Disco finden. Auf keinen Fall konnte ich in meinen jetzigen Klamotten da auftauchen!
Nach langem Überlegen nehme ich ein schwarzes Cropshirt, das gut zu meinen blonden Haaren passt, und eine Baggy Jeans in ausgewaschenem Grau. Manchmal ist weniger einfach mehr.
Ich verlasse mein Zimmer und gehe ins Bad. Mittlerweile ist es schon fast 16:00. Ich sollte mich beeilen. Im Bad angekommen, glätte ich erstmal meine Haare.
Danach kommt mein Make-Up dran. Ein bisschen apricotfarbener Lippenstift? Ja, das sieht gut aus. Noch ein bisschen goldener Lidschatten und fertig! Oder?
Eine Stunde wusele ich im Bad rum und schminke mich. Als ich endlich fertig bin, sehe ich auf die Uhr und stelle fest, dass es schon 17:13 ist!
Schnell nehme ich eine schwarze Handtasche aus meinem Regal und verstaue darin Handy, Schlüssel und Geldbeutel.
Als Schuhe wähle ich Sneakers mit Plateausohlen und betrachte mich ein letztes Mal im Spiegel. Passt! Ich husche noch kurz in Bad und stopfe den Lippenstift und den Lidschatten mit in die Handtasche.
Ich laufe die Treppen nach unten und nehme meine kurze schwarze Pufferjacke vom Haken. Jetzt nichts wie weg! Wenn Mom mich so sieht, flippt sie aus.
Ich kritzele ihr noch schnell einen Zettel, wo ich schreibe, das ich eine Freundin gefunden habe und sie besuche. Das ist zwar gelogen, aber mir fällt nichts anderes ein… 😅
Draussen nehme ich den E-Roller und flitze los. An dem vereinbarten Treffpunkt komme ich tatsächlich eine Viertelstunde zu früh an. Also warte ich noch, bis Brian 5 Minuten zu früh kommt.
„Aha, du bist also überpünktlich?“ Er grinst und automatisch bewegen sich auch meine Mundwinkel nach oben. „Normalerweise nicht.“ grinse ich, und erst da fällt mir auf, wie zweideutig das klingt.
Doch Brian grinst nur weiter und ich hänge meinen E-Roller an einer Straßenlaterne an und laufe mit Brian. Nach ca. 20 Minuten kommen wir an einem modernen Gebäude an. Über dem Eingang steht DISCO und ich glaube, dass wir angekommen sind.
Drinnen hänge ich meine Jacke an einen Haken, und bereue es sofort, das Cropshirt angezogen zu haben. Brian starrt unverhohlen auf meinen Bauch und als ich in ansehe und ihm signalisiere, dass ich das merke, grinst er nur dreckig und geht an die Bar.
Anscheinend hat er so eine Verbindungen, denn der Kellner (ein ziemlich Junger, ca. 18 oder so) schenkt ihm etwas ein, was verdächtig nach Alkohol aussieht. In zwei Gläser.
Mit den Gläsern in der Hand kommt Brian zu mir und hält mir eines hin. Eigentlich sollte ich ihm sagen, dass ich keinen Alkohol trinke, aber ich lasse mich von der Stimmung mitreißen und kippe das Glas auf Ex.
Brian grinst wieder so, und trinkt dann auch sein Glas aus. „Kommst du?“ fragt er und zieht mich mit auf die Tanzfläche, wo bereits mehrere Paare, aber auch einzelne Leute, tanzen. Gerade läuft Belly Dancer und ich schwenke im Takt meine Hüften dazu.
Brian sieht mich weiter nur an wie vorher und grinst wieder. Und ehe ich mich versehe, tanzen wir beide eng umschlungen auf der Fläche. Vielleicht liegt es an dem Alkohol, aber ich werde viel lockerer, und als Brian mir auf den Ausschnitt starrt, beschwere ich mich nicht mehr.
Eine Stunde später sitze ich völlig ausgelaugt auf einem Barhocker und kippe einen weiteren Cocktail mit Alkohol auf Ex, den Brian mir besorgt hat.
„Komm, da hinten ist es etwas ruhiger.“ Brian nimmt mich mit in eine Ecke, wo Sofas stehen und die Musik nur gedämpft zu hören ist. Auf dem Sofa setzt er sich neben mich und legt eine Hand an meine Taille.
Ich weiß nicht warum, aber das ist das Highlight meines Tages. Hier mit Brian in der Disco zu sitzen, wo es ruhig ist.
Und da kapiere ich es. Ich kenne Brian erst seit einer Woche. Aber ich bin trotzdem schon in ihn verliebt.
Kapitel 5 : NEIN.
Nachdem ich meinen E-Roller zurück in die Garage gestellt habe, drücke ich leise die Haustür auf, die Manfred leider Gottes nie absperrt 😑…
Ich gehe leise die Treppe nach oben und öffne die Tür zu meinem Zimmer. In Windeseile schlüpfe ich aus der Baggy Jeans und dem Cropshirt. Stattdessen ziehe ich ein T-Shirt und Leggings an.
Beim Abendessen, zu dem Mama mich gerade ruft, weiche ich ihren Blicken und Fragen aus. Mama wird wissen, dass etwas nicht stimmt. Aber was soll ich sagen?
Ich würge mein Schnitzel runter und verdrücke mich in mein Zimmer. Und male mir aus, wie es weitergegangen sein könnte, hätte nicht Mama angerufen, und mir gesagt, dass ich nach Hause kommen soll, weil sie sich Sorgen macht…
Mitten in meine Überlegungen platzt das ganz und gar unpassende Klopfen auf Holz. An meiner Tür.
„Herein?“ frag-sage ich und die Tür geht langsam auf. Vor mir steht meine Mutter.
„Hi Mama!“ Ich grinse wahrscheinlich wie eine Honigkucheneleonore, aber das ist mir ziemlich egal.
„War es so schön dort?“ fragt Mama und sieht mich lächelnd an. „Das ist gut. Oder auch nicht. Ich wollte dir nämlich etwas sagen.“
„Worum gehts?“ frage ich möglichst interessiert, auch wenn meine Gedanken nur mit größter Anstrengung nicht wieder zu Brian wandern.
„Eleonore. Papa und ich haben beschlossen, dass wir übermorgen wieder nach Hause fahren. Es gab eine Unstimmigkeit mit Manfred, und wir möchten möglichst bald wieder nach Hause. Unser Auto ist bis übermorgen noch in der Werkstatt, und Papa holt ihn um 7:00 ab. Dann kommt er wieder und wir fahren nach Hause. Schatz, es tut mir leid, vor allem weil du hier schon Freunde gefunden hast. Aber du kriegst auch ein Pferd! Ich verspreche es dir! Einen Holsteiner!“
Ich blende Mamas Stimme aus.
Nein.
NEIN.
NEIN.
NEIN.
Ich merke, wie meine Wangen nass werden, und ich spüre das Salzwasser auf meinen Lippen.
Ich muss hier weg.
Sofort.
Ich schnappe mir die noch vollgepackte Handtasche und renne an Mama vorbei.
Die Treppen falle ich fast nach unten. Zum Glück steht mein E-Roller noch vor der Tür und ich fahre los. Ich habe nur ein Ziel.
Brian.
Niemand anderes kann mir jetzt helfen.
Ich höre, wie Mama mein Fenster aufreißt und mir hinterher schreit.
Aber es interessiert mich nicht.
Ich fahre weiter, bis in die Stadt.
An Brians Wohnung klingele ich Sturm.
Als die Haustür aufgerissen wird, und Brian herausstürzt, lasse ich mich in seine Arme sinken.
Etwas später finde ich mich auf Brians Sofa wieder. Der Besitzer des Sofas sitzt neben mir und streicht mir die Tränen von der Wange.
„Was ist passiert?“
Da muss ich schon wieder weinen und vergrabe mein Gesicht in seinem T-Shirt, das so gut nach ihm riecht.
„Ich und meine Eltern, wir sind nur zum Urlaub hier, bei einem Schulfreund meiner Mutter und jetzt gab es Streit und Mama will fahren! Weg von hier!“ Ich schreie fast vor Wut und Angst, ihn zu verlieren.
Brian setzt sich ratlos und schockiert auf.
„Und ich -“ hickse ich. „Ich liebe dich doch…“ Das ist das erste Mal, dass ich Brian das so offen sage. Doch es fühlt sich richtig an.
In diesem Augenblick klingelt es dann plötzlich an der Tür. „Wer ist das?“ frage ich und setze mich hicksend auf, panisch, weil es meine Mutter sein könnte.
Brian steht auf und geht durch seine Wohnungstür in den Gang, dann die ganzen Treppen nach unten.
„Nancy?“ höre ich ihn fragen.
Was?! Nancy?! Wer ist das?! Soll dass heißen, dass er noch eine Hand voll anderer Mädchen hat?!
Ich glaube, ich höre nicht recht!!
Wütend renne ich die Treppen nach unten und sehe Brian ein Mädchen umarmen. Sie ist super schön, wirklich.
Die rotblonden Haare sind zu einem Pferdeschwanz gebunden, dessen Haarvolumen ich selbst durch Verdoppelung meines nicht erreichen würde 😑.
Ihre schlanke Gestalt weist allerdings genau an den richtigen Stellen die richtigen Rundungen auf.
Ihre überlangen Beine stecken in Skinny Jeans und sie trägt ein bauchfreies Oversized-T-Shirt.
Und dann dreht sie sich zu mir um. In ihrem Gesicht kleben anscheinend so 5 Zentner Schminke, denn alles da drin ist fake. Allerdings sieht es trotzdem nicht übertrieben aus. Trotz der künstlichen Wimpern und den Nägeln (wahrscheinlich aus dem Nagelstudio, so professionell wie die aussehen), die fast so lang sind wie die Finger ohne Nägel.
Warum gibt Brian sich überhaupt noch mit mir ab? Er hat so viele schönere Varianten als mich.
„Ist das deine Freundin?“ fragt sie und ihr stechender Blick wandert über meine alte Jeans mit den Löchern (die ich reingemacht habe) und das vollgeheulte Oversized-T-Shirt.
Fortsetzung folgt…

Echt spannende Geschichte !!! <3
Ich brauche die Fortsetzung !!! <3
ja die kommt bald rein : ) ich muss da mal wieder weiterschreiben merke ich gerade *seufzt weil sie merkt dass sie eigentlich viel mehr an geschichten schreiben sollte als musik zu hören*